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Salome 7 - eine Theatralische Installation



Premiere: Mai 1998, Podewil, Berlin

50 Minuten in Englischer Sprache

Lindy Annis: Performance

Frieder Butzmann: Ton / Musik
Katrin Schoof: Diaprojektion

Rudie Ewals: Video

Text: Oscar Wilde

 


Oscar Wildes Salomé ist ein Musterstück des fin de siecle - ein symbolistisches Drama der dekadenten Obsessionen, obszönen Tollheit und Todessüchtigen Ekstase.

 

Die Amerikanische Performance-Künstlerin Lindy Annis setzt Wildes Salomé in einer theatralische Installation aus Text,Ton und Bild.

 

Dia und Videoprojektionen (Schoof und Ewals) tauchen die Besucher in einem Raum von Licht, Farbe und Bild und beschwören Jahrhunderte von Erzählungen von Verführung und Leidenschaft.

 

Der Komponist Frieder Butzmann schrieb dazu ein ebenso einfühlsam wie intelligenten Soundtrack, dunkel und spielerisch, aus unerkennbaren Sounds, einfachster Instrumente und Kinderspielzeuge kollagiert.

 

Lindy Annis spricht in dieser multimedialen Performance wie unbeteilligt Wildes Text. Salomé klingt, als ob statt Oscar Wilde Gertrude Stein den Text geschrieben hätte, der auf ein dramaturgisches Skelett von einem Dutzend Sätzen ausgedünnt ist.

 

"Die wohl bisher opulenteste Arbeit von Lindy Annis war ihre "Salomé". Diese Inszenierung bot ein wundersames Eintauchen in eine schwülstige Bilderwelt aus Dias und Videos, begleitet durch die minimalistischen Klänge von Frieder Butzmann. Aber auch hier war der inszenierte Raum machtlos gegen die performative Präsenz von Lindy Annis, die Wildes Text kühl dagegen setzte."

- Carena Schlewitt: Hebbel-am Ufer, Berlin



Presse zu Salomé 7

Lindy Annis ist es daher hoch anzurechnen, daß sie das Stück in einer dichten Performance im Podewil entstaubt. Dia- und Videoprojektionen tauchen die Besucher in einer Raum hybrider Schönheit. Es ist, als begebe man sich direkt in Wildes elegant schillernde Sprache, zumal ein Großteil der Projektionen aus den Schüsselsätzen besteht.... Mitten in diesem schwelgerischen Reigen spricht Annis wie unbeteiligt Wildes Text. An ihrer eigenen aparten Schönheit schlägt sich der schwül betörende Verführungszauber der Bilder nieder wie an den kalten Fensterscheiben, die symbolisch aufgerissen werden, um die frische Winterluft hineinzulassen.

- Henrike Thomsen: Berliner Zeitung 07.12.99

 

Ihre "Salome 7" klingt als ob statt Wilde Gertrude Stein die Texte geschrieben hätte, der auf ein dramaturgisches Skelett von einem Dutzend Sätzen ausgedünnt ist. In diesem Gerüst beschwören Windgebrüll und elektronisches Rauschen von Frieder Butzmann und Dia- und Videoprojektionen von Katrin Schoof und Rudie Ewals Jahrhunderte der Erzählung von der Verführung.

- Die Taz, 09.12.99

 

... Jenes Stilmittel der Wiederholung, das Wilde einst von Maeterlinck übernommen hatte, aufgreifend, spricht Annis das Textgerüst wieder und wieder und wird nicht müde, dem ungläubigen Thomas gleich den Finger in die Wunde zu legen. Siebenmal, der Zahl der Schleier gleich, durchleben wir in dem kleinen Studioraum das leidenschaftliche Geschehen in verschiedenen Ausformungen. Eine langgestreckte Tafel dient Lindy Annis als Podium, dort steht sie ruhig zwischen vier Monitoren am Mikrophon und zaubert wechselnde, stets eindringliche Sprecherebenen hervor. .... Mit diesen Brüchen vermag sie ihr Publikum zu fesseln, zumal sie sich der Unterstützung von präzis getimeten Video- und Diaprojektionen sicher sein kann. Rudie Ewals und Katrin Schoof schufen eindringliche Bilder, zusammengefügt aus der Salomé-Ikonographie der Jahrhunderte, Verführungsszenen aus Film und Fernsehen, Piktogrammen und Textpassagen...

... Der Berliner Komponist Frieder Butzmann schrieb dazu einen zurückhaltenden, technisch sauberen Soundtrack, der die Schönheit Salomés spielerisch preist mit leicht eingesetzten Kinderpfeifen, den Schleiertanz mit einem trommelnden Spielzeugmohr begleitet und schwülstige Barmusik ebenso gekonnt collagiert wie nächtliche Naturlaute. Diese Musik drängt sich nicht in den Vordergrund, sie verhilft der im Text angelegten Großform zur klaren Entfaltung, ohne zum belanglosen "Sound" zu verkommen. So gelingt trotz der divergierenden Medien ein kohärenter und zeitgemäßer Blick auf die Legende - "Salomé, tanz für mich! Ich bin traurig heute nacht."

- Volker Straebel, Der Tagesspeigel, 09.12.99




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