Foto Lindy Annis
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SHORTS: an Encyclopedia of Tragic Atitudes


Five short-performances by Lindy Annis
Premiere: "reich & berühmt 2002" Festival, Podewil, Berlin Mai, 2002. 1 Stunde.


SHORTS: an Encyclopedia of Tragic Attitudes, besteht aus fünf kurzen Stücken in englischer Sprache:

Encyclopedia of Tragic Attitudes - mit Xavier le Roy 

Death of a Salesman (pages 1+2) - Text: Arthur Miller, 1949

Lazy Legs - Musik: Frieder Butzmann, Text: Diana R., Maya S., Shannon M., Charlotte R., Tina S., Lindy A.

Auerbach’s Keller - Text: Lindy Annis nach Goethe’s Faust

The Cherry Orchard -Text: Anton Chekhov, 1903, Musik: various Russian artists of the 1920’s.

SHORTS: Fünf kurze Performances, die den Weg der Tragödie aufzeigen - von ihren Wurzeln im klassischen griechischen Theater über die Ecksteine des deutschen, russischen und amerikanischen Theaters bis hin zu der eigenen Autobiographie.

SHORTS folgt auf eine lange Reihe von Arbeiten in kompakter Form. Seit Ihrer Ankunft in (West-) Berlin 1985 hat Lindy Annis über 50 Stücke produziert, die meisten Solos, alle in einfachstem Englisch und keines länger als ein Tom-und-Jerry-Cartoon.



Presse


Ein seltener Höhepunkt des Festivals war die Arbeit von Lindy Annis. Hier wurde das Zitat als produktive Zitation vorgeführt, als etwas, das nicht nur anführt, zitiert oder vorlädt, sondern auch etwas, das anreizt, beansprucht und aufstachelt. Annis präsentierte mit "Shorts" eine Reihe von kurzen solo-Performances, die nur lose miteinander assoziiert waren. Die erste Episode führt die antike Deutung von Gesten und Körperhaltungen vor. Eine kleine "Encyclopedia of tragic attitudes" wird von Annis gelesen und vom Gastperformer Xavier Le Roy mit viel Komik und ikonographischer Akkuratesse vorgeführt. Dabei entwickelt die Performerin einen Katalog von Emotionen, Stimmungen und damit verbunden Körperpositionierungen, der den Abend choreografisch und konzeptuell durchzieht sowie in seiner Tiefe sondiert. Sie entlehnt Szenen aus "Death of a Salesman", dem "Kirscharten" und "Auerbachs Keller" und illustriert diese mit jenen zuvor vorgestellten Köperhaltungen. Später bekommen Kniee, Handflächen und Finger selbst eine narrative Funktion und führen minimalistisch intime biografische Szenen auf. Vor allem Annis’ Schauspiel war dabei bemerkenswert. Selten wechselte ihre faszinierende Stimme die Tonlage und ihr Gesicht zeigte zumeist denselben Ausdruck. Genau in dem dadurch produzierten Raum von Distanz tat sich für den Zuschauer eine frappierende emotionale und intellektuelle Intensität auf.
- Daniel Schreiber, "Immer wieder Zitate" Theater der Zeit, Sept. 2002


Die konsensfähigste Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der Subkultur lieferte Lindy Annis. Die New Yorker Performerin, die seit 1985 in Berlin lebt, führt mit "Shorts" vor, daß großes Theater nichts mehr braucht als eine Haltung. Die bevorzugte Haltung von Lindy Annis ist eine emotionslose Aufgeräumtheit: die Stimme bleibt ruhig und gleichförmig, das Gesicht ausdruckslos. Die Performerin macht sich zur Projektionsfläche ihrer selbst, auf der jedes Wort und jede Geste Spuren hinterlassen. Auf einer winzigen Bühne entstanden so fünf überaus beglückende Miniaturen. Mit Unterstützung des Franzosen Xavier le Roy bebildert Annis eine - sanft ironisierte - "Encyclopedia of Tragic Attitudes, Volume 1", mittels derer sie im Anschluß Arthur Millers Stück "Tod eines Handlungsreisenden" vorträgt. Sie kreuzt den melancholischen Stillstand Tschechows mit Propagandagesten einer starken Sowjetmacht und entwirft in "Auerbachs Keller" ein Gelage zwischen Traurigkeit und den absurden Texttönen Gertrude Steins. Höhepunkt dieses minimalistischen Theaters ist aber "Lazy Legs", worin Annis Biographieschnipsel erzählt und die jeweilige Figur allein markiert über das Spiel mit zwei Fingern, die wie torsolose Beine über den Tisch spazieren.
- Dell, Matthias, "Das Jenseits ist auch keine Lösung", FAZ 04.06.02


Die wunderbare Lindy Annis zeigt SHORTS, fünf "melancholische bis tragische Stücke" - In einer knappen Stunde werden die Antike und Auerbachs’ Keller, Arthur Miller’s "Death of a Salesman" und Tschechows "Kirschgarten", dazu ein halbes Dutzend Biographien einschließlich der der Künstlerin erschöpfend in minimalistische Soli verwandelt - von einer "Encyclopedia of Tragic Attitudes" bis zur Kurzfassung des Kirschgartens.
- Laudenbach, Peter, "Tiger ohne Ente", Der Tagesspiegel 31.05.02


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